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Ich mußte laut auflachen. "So erzähl mir doch! Wie kam denn die Geschichte?"
"Nun, Philipp--du weißt doch, da ich mit der Lore gehe?"
"Seid ihr denn einig miteinander?"
"Es ist wohl so was", erwiderte er.--"Sie ist eine anstellige Person; und nach dem Tode der alten Tante bekommt sie auch noch eine Kleinigkeit."
Ich sah ihn lächelnd an. "Nun, Christoph, sie ist auch sonst so übel nicht; du hättest so überzeugend sonst auch schwerlich zugeschlagen!"
Er blickte einen Augenblick vor sich hin. "Ich weiß es kaum", sagte er, "wir standen in der Reihe, Lore und ich--es geschah nur ihr zu Gefallen, daß ich hingegangen war--, da kam der lange blasse Kerl, der schon immer auf sie gemustert und dabei mit einem andern getuschelt hatte, und wollte extra mit ihr tanzen."
"War er denn unverschämt gegen deine Dame?"
"Unverschämt?--Sein Gesicht ist unverschämt genug!"
"Und Lore?" sagte ich, meinen Freund scharf fixierend. "Sie hätte wohl gern mit dem schmucken Kavalier getanzt?"
Er zog die Stirnfalten zusammen, und ich sah, wie sich eine trübe Wolke über seinen Augen lagerte.
"Ich weiß es nicht", sagte er leise.--"Es war nicht gut, daß ihr das Mädchen damals in eurer Lateinischen Tanzschule den Notknecht spielen ließet."
Er reichte mir die Hand. "Leb wohl, Philipp", sagte er, "das Geld schicke ich dir; sonst wirst du wohl nicht viel von mir zu hören bekommen; aber um Jahresfrist, so Gott will, bin ich wieder hier, oder bei uns daheim."
Er ging.--Ich suchte vergebens mich wieder in meine unterbrochenen Arbeiten zu vertiefen; eine unbestimmte Sorge um die Zukunft des Jugendgespielen hatte mein Herz beschlichen. Ich wußte nur zu wohl, was seine Worte nicht verraten sollten, daß seine Phantasie von jenem Mädchen ganz erfüllt war und daß alle Kräfte dieses tüchtigen Kopfes darauf hinarbeiteten, sein Leben mit dem ihren zu vereinigen.
Bald darauf ging ich in die Wohnung meiner Hauswirte hinab, bei denen ich damals meinen Mittagstisch hatte. Es mochte etwas frühzeitig sein; denn von den Hausgenossen hatte sich niemand eingestellt; aber in der Nebenstube traf ich die kleine Nähterin, die "lahme Marie", welche stumm und einsam inmitten einer Wolke weißer Stoffe mit der Nadel hantierte.--Da ich sie oft in Gesellschaft der beiden Menschen gesehen hatte, deren Geschick mich jetzt beschäftigte, so erzählte ich ihr den gestrigen Vorfall, in der Hoffnung, über die Ursache desselben Näheres zu erfahren.
"Ich hab' es kommen sehen!" sagte sie, die dünnen Lippen zusammenkneifend; "der Tischler ist wohl sonst ein ganzer Kerl; aber gegen das Mädchen ist er zu gutwillig; was wollte er mit ihr auf dem Ballhaus!"
Ich fragte näher nach.
Sie räumte eine Partie Zeuge von einem Stuhl, damit ich mich setzen könne.--"Sie kennen vielleicht das kleine Haus in der Pfaffengasse", begann sie dann, als ich ihrem Wink gefolgt war; "die alte Schmieden, die Tante von der Lore, hat es vor Jahren von dem Pferdeverleiher nebenan gekauft; aber den Hof dahinter, weil er zu seinem Geschäft doch großen Raum braucht, hat der Verkäufer sich vorbehalten, so daß er mit seinem nun in eins zusammengeht; nur in der Mitte auf einem Stückchen Rasen darf die Alte ihre Waschsachen trocknen und bleichen, soweit es damit reichen will. Sie ist Geschwisterkind mit meiner seligen Mutter, und seit ich konfirmiert war, bin ich oft mit ihr zum Nähen ausgegangen.
"Ich denk, es war kurz vor Martini vorigen Jahrs; ich machte mich gleich nach Mittag zu der Schmieden; denn wir hatten eine große Seidenwäsche zusammen. Unterwegs begegne ich dem Tischler, der damals schon mit der Lore ging. Wir sprechen ein Wort zusammen, und im Weggehen ruft er mir noch lachend zu: 'Bei Feierabend komm ich und helf euch die Klammern aufsetzen!' Ich sagt's auch der Lore; aber sie schien nicht groß darauf zu achten.
"Spätnachmittags, da wir drinnen fertig waren, gingen wir hinaus, um die Leine zwischen den Pfählen aufzuscheren, die draußen auf dem Grasrondell stehen. Lore, das Kleid über ihren Halbstiefelchen aufgeschürzt, ging mit dem kleinen hölzernen Tritt von einem zum andern. Die Alte hatte sich drinnen in ihren Lehnstuhl schlafen gesetzt; ich--ich bin die Größte nicht und konnte ihr eben nicht viel dabei helfen."
Und die Erzählerin suchte ihren dürftigen Körper möglichst gradezurichten.
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