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Das Mädchen stand neben mir, ohne zu sprechen, die Augen zu Boden geschlagen.--Ich faßte mir ein Herz. "Wie mag es Christoph gehen?" fragte ich.
Sie fuhr zusammen und murmelte etwas, das ich nicht verstand; aber auf ihren blassen Wangen wurden zwei dunkelrote Flecken sichtbar.
"Was würde er sagen", fuhr ich fort, "wenn er hier wäre!"
Ich sah, wie sie nach Atem rang und wie ihre herabhängende Hand krampfhaft an dem Kleide fingerte. "O bitte", stieß sie leise hervor, "nicht hier, nur nicht hier!"
"Wo denn? Wollen Sie mich hören, Lore?"
Sie blickte zu mir auf. "Draußen", sagte sie leise, "ich werde gleich herauskommen; lassen Sie uns abtreten nach dieser Runde!-- Ich habe Sie schon bitten wollen, als ich Sie vorhin im Nebenzimmer sitzen sah."
Wir tanzten noch einmal; dann führte ich sie zu Platz und trat durch die Tür in den kleinen Säulengang hinaus.--Es donnerte in der Ferne, und als ich die beiden Stufen ins Freie hinabstieg, wetterleuchtete es, daß ich auf einen Augenblick die einzelnen Baumstämme bis an die See hinab und drunten das Blinken des Wasserspiegels unterscheiden konnte.
Ich ging um das Haus herum bis an die Kegelbahn und wartete dort. Nicht lange, so sah ich auch den Schimmer eines weißen Kleides, ich hörte den leichten Schritt des Mädchens, und gleich darauf stand sie selbst tief aufatmend vor mir.--So war ich denn endlich wieder mit ihr allein, im Dunkel, in der Sommernacht; aber es waren andre Zeiten. Ehe ich sie anzureden vermochte, hatte sie ein Papier aus der Tasche gezogen, der Schein eines Blitzes fuhr darüber, und ich erkannte Poststempel und Siegel des Briefes. "Es ist von Christoph", sagte Lore, indem sie das Papier in meine Hand legte, die ich unwillkürlich danach ausgestreckt hatte.
"Von Christoph!" rief ich. "Wann haben Sie den Brief erhalten?"
"Heute!" erwiderte sie leise.
"Und Sie sind doch hierhergekommen?"
Sie schwieg.
"Darf ich den Brief lesen, Lenore?"
"Ich habe Sie darum bitten wollen."
Ich ging an eines der erleuchteten Saalfenster in der hintern Front des Hauses.--Lenore war mir langsam gefolgt, und ich fühlte, wie während des Lesens ihre Augen unablässig auf mich gerichtet waren.
Es war ein langer Brief; Christoph gab von seinem Schweigen Rechenschaft. Er hatte das Geschäft seines Oheims übernommen; aber die Verhältnisse waren lange in der Schwebe gewesen, da alles von einer Verheiratung der Tochter mit einem wohlhabenden Schornsteinfegermeister abgehangen; schon sei er, da eben ein neugieriger Schneider aus der Heimat ihn besucht habe, mit dem Geräte zu ihrer Hochzeitskammer beschäftigt gewesen, als die ganze Sache noch einmal in Frage gestellt worden sei. Jetzt aber war endlich alles geordnet, die Tochter hatte Hochzeit gemacht, und er selbst sollte in den nächsten Tagen das Meisterrecht in der fremden Stadt erwerben. Dann lud er sie ein, zu kommen, da er nicht fort könne, um sie zu holen. "Sobald ich deine Antwort habe", das waren die letzten Worte des Briefes, "schicke ich dir das Reisegeld; es liegt schon abgezählt und eingesiegelt. Das Haus wirst du leicht erkennen; neben der grünen Bank, die vor der Tür ist, steht eine Linde, wie daheim vor deinem Elternhaus; eine Kammer, die ich selber für die jungen Meistersleute hergerichtet habe, ist ganz davon beschattet."--
Ich hatte den Brief zusammengefaltet und reichte ihn zurück. Aber Lore schüttelte den Kopf. "Schreiben Sie ihm, Herr Philipp!" sagte sie, während eine Träne nach der andern über ihre Wangen tropfte, und leise und mühsam setzte sie hinzu: "Er hat es gut gemeint."
"Und Sie wollen nicht selber kommen?" fragte ich.
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