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    德语网络书库:Mann von vierzig Jahren(24)[云南外语网]
    德语网络书库:Mann von vierzig Jahren(24)[云南外语网]
    更新时间:2007-12-10 16:27:00    保存本文
    Da platzte zwei Schritte neben ihm eine Granate; einem Mann an seiner Seite wurde wie durch ein unsichtbares Beil der Kopf vom Rumpfe gerissen; er ging noch einen Schritt und brach zusammen wie Asche. Am Eingang des Dorfes lagen die Toten zu dreien und vieren übereinander. Der Erdboden war mit Blut begossen. In einer Rinne rann das Blut, wie sonst das Regenwasser nach dem Regen. Obwohl am Himmel die Sonne schien, war es in den Gassen düster wie am Abend. Aus allen Fenstern starrten Gewehrläufe, auch aus den Fenstern der brennenden Häuser. Aus mancher Kellerluke krachte ein halbes Dutzend Schüsse auf einmal. Jede Barrikade war mit Hunderten von Leichen gepflastert. Viele lagen mit friedlichen Gesichtern da, als ob sie schliefen, andere wieder zeigten einen Ausdruck grimmigster Qual. Immer neue Abteilungen rückten vor, frenetisch jubelnd stürmten sie in die Hauptgasse, und nach einigen Minuten waren sie hingemäht. Jedes einzelne Gebäude mußte wie eine Festung erobert werden. Aus den brennenden Räumen drang das Geschrei der Weiber und Kinder in den Höllenlärm. Von dem einstürzenden Gebälk der Dächer prasselten ununterbrochen Funken herab. Auf einer Brunnenstufe gewahrte Sylvester einen schwerverwundeten Jäger des dritten Bataillons. Dem Mann war die Hüfte zerschossen, und er schien Durst zu leiden. Sylvester gebot einem Soldaten, ihm Wasser zu reichen, aber der Verwundete bat um eine Zigarre. Der Soldat griff in die Tasche, gab ihm die Zigarre und zündete sie auch an, während um ihn her die Kugeln wie Hagelschloßen fielen. Nachdem jener die ersten Züge geraucht hatte, starb er. Sylvester ging weiter und sah seinen Premierleutnant tot auf einem Haufen anderer Toten liegen, rosigen Schaum über den Lippen.
    Die dritte Kompagnie unternahm einen Sturm gegen ein Gebäude, das etwas außerhalb des Dorfes lag und von den Franzosen mit wildester Wut verteidigt wurde. Die Mauern des Hauses waren schwarz vor Alter; es hatte zwei Erker, und die Fenster waren vergittert. Jedes der beiden Stockwerke hatte sechs Fenster, an jedem Fenster standen die Soldaten enggedrängt, und die Erschossenen wurden sogleich wieder durch andere ersetzt. Die Granaten hatten das Dach eingeschlagen, aber bis jetzt hatte noch keine gezündet. Auch aus dem Sparrenwerk des Daches schossen die Feinde herab, und wie alle früheren Angriffe, wurde jetzt der Angriff der dritten Kompagnie zurückgeschlagen. »Folgt mir, Jäger!« rief Sylvester und verließ mit seinem Zug die Deckung einer Hofmauer. Die Leute waren sämtlich sehr blaß, gehorchten jedoch dem Befehl mit einem rachsüchtigen Hurrageschrei. Viele drückten die Augen zu, während sie liefen. Die vierte Kompagnie, deren Hauptmann gefallen war, vereinigte sich mit Sylvesters Abteilung. Einer um den anderen stürzte. Sylvester vernahm den süßlichen U--i-Laut, mit dem die Kugeln an seinem Ohr vorüberpfiffen. Auf einmal taumelte er und hatte ein Gefühl, als sei der linke Arm von einem fürchterlichen Keulenschlag getroffen worden. Einen Augenblick verweilend, bemerkte er, daß das Blut aus dem Rockärmel floß. Zugleich sah er mit einer Kampfesaufregung, die ihm Schwindel verursachte und ihm in einem tiefen, ganz stillen und sonderbar wachsamen Winkel seiner Seele kaum verständlich dünkte, daß seine Jäger endlich bis an die Mauer jenes Hauses vorgedrungen waren, wo die Leichen in Hügeln lagen. Sie hatten die Gewehre umgedreht und schlugen, zwanzig zu gleicher Zeit, mit den Kolben wie mit Hämmern gegen das massive Tor. Angeln und Schloß gaben nach, auch die Fassung zersplitterte, das Haus war geöffnet, und die Tapferen erstiegen die drei Stufen; mit gefällten Bajonetten stürzten sie in den Flur. Eine Salve empfing sie, mehr als dreißig verhauchten ihr Leben, doch für die übrigen war kein Aufhalten mehr. Sylvester drängte sich eben durch sie hindurch in den Flur, als er, wie zu einer Bildsäule verwandelt, stehen blieb.
    Der Feldwebel der vierten Kompagnie hatte die Verteidiger aufgefordert, sich zu ergeben. Einige der französischen Soldaten hatten unwillkürlich die Gewehre gesenkt. Darauf trat ihr Leutnant vor und rief dreimal mit starker Stimme und in einem Ton von äußerster, ja unbegreiflicher Verzweiflung: »Jamais! Jamais! Jamais!« Zugleich riß er einem seiner Leute das Gewehr aus den Händen und legte es an.
    Diesen Mann gewahrte Sylvester jetzt. Er gewahrte ihn während des kurzen Zeitabschnittes, in welchem sich der Offizier des Gewehrs seines Untergebenen bemächtigte und es an seine Schulter preßte. Er sah den festen, eigentümlich gelben und in seiner Gelbheit und vernunftlosen Raserei geradezu tigerhaften Blick, -- da erkannte er das Gesicht noch nicht. Eine Sekunde später erkannte er es. Die Geschehnisse gingen in so rascher Folge vor sich, daß der Geist mit einer erstaunlichen Schnelligkeit auffaßte und arbeitete. Von dem Moment des Anlegens der Waffe, der auf ihn gerichteten Waffe, bis zum Abfeuern des Schusses erkannte Sylvester nicht nur dieses Gesicht, erinnerte sich nicht nur aller früheren Begegnungen mit dem Manne, alles dessen, was zwischen ihnen lag, kombinierte er nicht nur die Art des jetzigen Zusammentreffens, wunderte sich nicht nur über die schmerzliche Fügung, sondern empfand auch eine höchst gesteigerte liebende Teilnahme. Zu spät rang sich ein Schrei aus seinem Mund. »Achim!« Der Hahn des Gewehrs war schon abgedrückt. Sylvester brach in die Knie.
    Kaum hatte Achim Ursanner den Schrei vernommen, als er hinzueilte. »Sylvester,« röchelte er, erhob die Augen und umkrallte mit den Fingern den Hals. Ein Unterjäger, vermeinend, daß der feindliche Leutnant seinem verwundeten Offizier noch zu Leibe wolle, hatte sich mit dem Gewehre in Positur gesetzt und stieß dem nahenden Ursanner das Bajonett mitten durchs Herz. Nun kamen die französischen Soldaten vom ersten Stock und vom Dachboden herunter und begannen neuerdings zu feuern. Der Feldwebel packte den starren Körper Sylvesters und zog ihn über die Stufen auf die Straße, wo er unter grauenvoll verrenkten und verkrampften Toten liegen blieb. Unterdessen stürmte die erste Jägerkompagnie unwiderstehlich an, und nach einer Viertelstunde war das schreckliche Haus in ihrem Besitz.

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